Aus der
Chronik des MGV Concordia Rheinbreitbach
Männergesangverein Concordia 1848 Rheinbreitbch
(bearbeitet von Bernd Hamacher anläßlich des 150jährigen Vereinsjubiläums im Jahre 1998)

 

Gründung des Vereins

Der Männergesangverein Concordia Rheinbreitbach feiert in diesem Jahr (1998) sein 150jähriges Vereinsjubiläum. 1848 wird er zum erstenmal erwähnt. Das genaue Gründungsjahr ist nicht bekannt. Hierüber geben die vorhandenen Quellen keine eindeutige Auskunft.

Parallelen kann man zur Geschichte unseres Ortes ziehen. Die erste Erwähnung Rheinbreitbachs geht auf eine Urkunde von 966 zurück. Keiner zweifelt daran, daß der Ort älter ist. Für die Historiker und auch für zu feiernde Jubiläen zählt jedoch die erste urkundliche Nennung. Rheinbreitbach feierte 1976 - mit zehnjähriger Verspätung - sein 1000jähriges Bestehen.

Die 'Gründungspfeife'Zurück zum Männergesangverein. Die erste Erwähnung des Vereins ist außergewöhnlich; man findet sie nicht in einer Gründungsurkunde und auch nicht in einem historischen Buch des vorigen Jahrhunderts. Erstmalig taucht der Verein - und das ist wohl einmalig in der Reihe geschichtlicher Dokumente - auf einem Pfeifenkopf aus Porzellan auf. Dort sind der damalige Name "Rheinbreitbacher Sängerverein" und das Datum 8.9.1848 eingebrannt. Wann der Name "Concordia" hinzugefügt wurde, ist offen. 1887 spricht die Chronik vom "Männergesangverein Concordia Rheinbreitbach".

Nach den Napoleonischen Befreiungskriegen, 1813/1814, entwickelte sich im 19. Jahrhundert in dem zunächst noch in viele kleinere Einzelstaaten aufgeteilten Deutschen Reich ein Nationalgefühl. Der Ruf nach einem vereinigten deutschen Vaterland wurde immer lauter. Überall, besonders im Rheinland, schloß man sich in Vereinen zusammen, um das Deutschtum und deutsches Kulturgut zu pflegen. Hierzu gehörte auch das deutsche Lied. Es war die große Zeit der Gründung volkstümlicher Vereine wie Schützengilden, Bürgervereine, Männergesangvereine. Eine wesentliche Initiative ging dabei von den arbeitenden Bevölkerungsschichten aus, z.B. von den Bergleuten, die nach der schweren Tagesarbeit Entspannung und Geselligkeit suchten. Damals entstanden die heute noch bekannten Bergmannschöre im Ruhrgebiet.

Kein Wunder, daß es auch in Rheinbreitbach Bergleute waren, die sich in einem Verein zusammenfanden, um das deutsche Lied zu pflegen und beim Chorgesang Erholung suchten. Auf dem Porzellan-Pfeifenkopf finden sich die Namen von dreizehn Sängern, die Gründer des MGV Concordia. Die meisten von ihnen stammen aus alten, heute hier noch ansässigen Rheinbreitbacher Familien:

C. Hillen   M. Westhoven   J. Menden   W. Waldorf   Ant. Müller   Jos. Menden   L. Thelen    F. Waldorf   J. Henscheid   A. Westhoven   E. Wierig   Ant. Müller   J. Flohr

Ob das eingetragene Datum, 8.9.1848, der Tag der Gründung ist, muß offen bleiben. In der Festschrift zum 120jährigen Bestehen des Vereins heißt es:

Die Sänger machten ihrem Dirigenten Heinrich Henscheid, damals Organist in Rheinbreitbach, bei einem festlichen Anlaß am 8.9.1848 eine lange Pfeife zum Geschenk.
In den handschriftlichen Aufzeichnungen des Vereins, die seit 1887 vorliegen, wird die Pfeife nur noch einmal beim 75jährigen Stiftungsfest im Jahre 1923 erwähnt:
Um 4 Uhr nachmittags fand Tanzvergnügen statt, welche mit sehr schönen Liedern und humoristischen Vorträgen abwechselten. Die Tabakspfeife, welche die Urstunde des Vereins ist, worauf die Gründer des Vereins verzeichnet sind, wurde mit Tabak gefüllt und zu Ehren von dem Vorstand abwechselnd geraucht und in Brand gehalten.
musikal.-theatral. Aufführung
Leider fehlen schriftliche Zeugnisse aus den ersten vierzig Jahren des Vereins.

Die damalige Zeit war für Rheinbreitbach nicht die sprichwörtliche "gute alte Zeit". In vielen Familien herrschte zeitweise bittere Not, besonders dort, wo Existenz und Lebensunterhalt vom Bergbau abhingen. 1852 legten die damaligen Bergbaubetreiber, die Brüder Rhodius, die Grube Virneberg still, 1864 wurden die Arbeiten zwar wieder aufgenommen. Jedoch bereits 1881 kam für den Rheinbreitbacher Bergbau das endgültige Aus. Viele ehemalige Bergarbeiter verloren in dieser Zeit ihren Arbeitsplatz; sie mußten Rheinbreitbach verlassen, um im Ruhrgebiet Arbeit zu finden. Manche fanden Arbeit und Brot in der näheren Umgebung, mußten aber infolge der noch schlechten Verkehrsverbindungen lange tägliche Abwesenheit von zuhause in Kauf nehmen. Sicherlich hat die damalige Situation ein regelmäßiges Vereinsleben erschwert.

Von 1887 bis zum 1. Weltkrieg    Zwischen den beiden Weltkriegen    Zeit nach dem 2. Weltkrieg


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