Aus der
Chronik des MGV Concordia Rheinbreitbach
Männergesangverein Concordia 1848 Rheinbreitbach
(bearbeitet von Bernd Hamacher anläßlich des 150jährigen Vereinsjubiläums im Jahre 1998)

 

Von 1887 bis zum 1. Weltkrieg

Schriftliche Aufzeichnungen beginnen im Jahre 1887. Die mittlerweile über 110 Jahre geführte Chronik ist nicht nur eine reine Chronologie des Vereinslebens. Sie spiegelt auch den jeweiligen Zeitgeist wider und, wie die Menschen in den verschiedenen Zeitepochen gedacht haben. Im nachfolgenden Text wird häufiger aus der handgeschriebenen Chronik zitiert (Zitate in Kursivschrift).

Sie beginnt mit einem Bericht über die Generalversammlung am 17. Juli des Jahres 1887. Aus dem Protokoll dieser Versammlung kann man auf einen Neuanfang des Vereins schließen. Nach ausführlicher Diskussion beschlossen die vierzehn erschienenen Mitglieder 27 Statuten, wahrscheinlich die erste Satzung des Vereins. Die Kernaussagen dieser Satzung sind auch heute, nach 110 Jahren, gültig. Über einige Einzelbestimmungen kann man heute schmunzeln; andere wären heute kaum mehr durchsetzbar. Damals wurden z.B. Regelungen über die Bezahlung von Strafgeldern bei unentschuldigtem Fehlen bei Chorproben oder Vereinsfeiern in die Satzung aufgenommen. Bei wiederholtem Fehlen war sogar der Ausschluß aus dem Verein möglich. Diese Bestimmungen sind auch in die Tat umgesetzt worden. Am 21. Dezember 1898 heißt es:

Am heutigen Tag erklärte H. Theissen seinen Austritt aus dem Verein, weil er vom Verein in eine Strafe von 1 Mark genommen werden sollte wegen unentschuldigter Abwesenheit bei der Cäcilienfeier.

Der Männergesangverein 1926 auf dem ehemaligen Friedhof an der Kirche

1927 wurden gleich vier aktive Mitglieder wegen mehrmaligen Fehlens auf der Chorprobe aus dem Verein ausgeschlossen. Auf der anderen Seite wurde der regelmäßige Besuch in den späteren Jahren mit kleinen Geldprämien honoriert. So beschloß die Generalversammlung 1931:
Auszeichnung der Mitglieder für den fleißigen Besuch der Gesangprobe: Wer keinmal fehlt, erhält 3 M; wer einmal fehlt, erhält 2 M; wer zweimal fehlt, erhält 1 M.
Ein Auszug der 27 Statuten von 1887 finden Sie am Schluß der Chronik.

Neben der Beschlußfassung über die Vereinsstatuten sind zwei weitere Punkte der Generalversammlung von 1887 zu erwähnen: Der erste Dirigent des Vereins, Heinrich Henscheid, wurde

mit Rücksicht auf seine Verdienste, welche er sich bei der Gründung und in der ersten Zeit des Bestehens des Vereins erworben, zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt, gemäß § 11 der Statuten.
Henscheid war das erste Ehrenmitglied des Vereins. Der zweite Punkt war entscheidend für die nächsten dreißig Jahre: Josef Dittmayer, Lehrer und später Hauptlehrer an der Rheinbreitbacher Schule, legte den Vorsitz des Vereins nieder und übernahm das wichtige Amt des Dirigenten, das er über dreißig Jahre bis zu seinem Tod, 1919, ausübte. Josef Dittmayer war sicherlich eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten in der Geschichte des MGV.

Josef Dittmayer war es auch, der seit 1887 als Erster ausführlich aus dem Leben des Vereins und über seine Aktivitäten berichtete. In der Zeit bis zum 1. Weltkrieg hat sich der MGV Concordia großes Ansehen bei der Rheinbreitbacher Bevölkerung erworben, er war wesentlicher Träger des gesellschaftlichen, des kulturellen und kirchlichen Lebens in unserem Ort.

Großen Anklang fanden die "musikalisch-theatralischen Aufführungen", die der Verein jedes Jahr, meist am 2. Weihnachtstag, im früheren Gasthof "Zur Post", lange Zeit das Vereinslokal, veranstaltete. (Kopie aus der Chronik) Wegen der großen Resonanz mußten sie oftmals wiederholt werden. Theater-Aufführungen der Sänger erwähnt die Chronik noch in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Einen festen Platz im jährlichen Veranstaltungsprogramm hat seit jeher das Cäcilienfest am 22. November. Die Chronik berichtet regelmäßig darüber. Zum 22. November 1887 heißt es:

Am Morgen um 7 Uhr fand ein Hochamt für die lebenden Mitglieder des Gesangvereins statt. Während desselben sang der Verein eine Choralmesse und mehrere vierstimmige Gesänge.
Ein eigener Kirchenchor existierte damals noch nicht. Die gesangliche Gestaltung von feierlichen Messen, insbesondere an kirchlichen Hochfesten, gehörte zu den Aufgaben des Männergesangvereins. Ein gemischter Kirchenchor entstand erst 1925 auf Initiative des damaligen Pfarrers Ermert.

Am Abend des Cäcilientages trafen sich alle Mitglieder zum geselligen Beisammensein im Vereinslokal.

Eine lange Tradition hat auch der jährliche Familienausflug, wenngleich die Reisemöglichkeiten im vorigen Jahrhundert nicht so komfortabel waren wie heute. Unter dem Datum vom 2. September 1888 wird berichtet:

Am Sonntag dem 2. September wurde ein gemeinsamer Ausflug nach Arensberg unternommen. Morgens 7 Uhr 51 Min gemeinschaftliche Abfahrt von Unkel per Bahn, die uns eine Preisermäßigung zuerkannt hatte. Beteiligung 41 Personen. In Ehrenbreitstein wurde das Frühstück eingenommen. Nachdem die Kirche und die Anlagen besichtigt waren, sangen wir in der Klosterkirche das Ave Maria. Danach gemeinschaftliches Mittagessen. Rückfahrt von Ehrenbreitstein abends 8 Uhr 14 Minuten.
Für die Sangesbrüder war es eine Selbstverständlichkeit, auch anderen mit ihrem musikalischen Hobby Freude zu bereiten. Eine Herausforderung sah der Verein darin, dort zu helfen, wo Not am Mann war. Der Erlös aus Konzerten/Veranstaltungen kam notleidenden Mitbürgern zugute. Es wurde bereits erwähnt, daß nach Aufgabe des heimischen Bergbaus in vielen Rheinbreitbacher Familien bittere Not herrschte. Hier wollte und konnte der Männergesangverein helfen. Die Chronik berichtet schon sehr früh über entsprechende Aktionen, so in einem Bericht über das Cäcilienfest von 1887:
Von dem Dirigenten Herrn Lehrer Dittmayer wurde folgender Vorschlag gemacht: Am 2. Weihnachtstage möge der Verein ein Konzert veranstalten, an welches sich eine Verlosung anschließen soll. Der Ertrag dieses Konzertes soll zur Kleidung armer Kinder, namentlich armer Kommunionkinder verwendet werden. Der Vorschlag fand großen Beifall und wurde sogleich aufgenommen. Mehrere der anwesenden Damen sagten sogleich ihre Unterstützung zu durch Bereitstellung von Gegenständen zur Verlosung.
Bei dem Weihnachtskonzert wurde ein Gewinn von 256,61 Mark erzielt. In der Aufzeichnung vom 15. Januar 1888 heißt es weiter:
Heute abend um 1/2 6 fand im Saale des Herrn Wilhelm Menden eine Bescherung für arme Kinder statt. Beschenkt wurden 22 Kinder und 9 Erwachsene. Zur Bescherung gelangten 10 Paar Schuhe, Stoffe für Kleider, 2 Unterjacken, 1 Hemd, 5 Paar Strümpfe, 1 Halstuch. Außerdem erhielten 7 Personen Geld, jeder 3 Mark.
Vokal- & Instrumental-Konzert
Diese soziale Mitverantwortung für die Mitbürger haben die Sänger - wenn auch in anderer Form - bis heute fortgesetzt. Man denke nur an die regelmäßigen Auftritte des Vereins im ehemaligen Blindenheim in der Burg Steineck oder an die Gesangsvorträge, mit denen sie alljährlich den älteren Mitbürgern auf den Seniorennachmittagen große Freude bereiten.

Schon früh pflegte der MGV freundschaftliche Kontakte zu benachbarten Gesangvereinen. Die Teilnahme an Konzerten, Stiftungsfesten, Fahneneinweihungen oder Gemeinschaftssingen gehörten schon im 19. Jahrhundert zum festen Jahresprogramm. Die erste schriftlich festgehaltene auswärtige Veranstaltung war ein Vokal- & Instrumentalkonzert des Gesangvereins "Concordia" Unkel am 10. Juni 1887. (Kopie aus der Chronik)

Am 25. August 1889 berichtet die Chronik:

Der Verein beteiligte sich an der Fahnenweihe des Männergesangvereins Cäcilia in Oberwinter und sang dabei die beiden Lieder "Mein Deutschland" und "Ave Maria", welche beiden Lieder mit viel Beifall aufgenommen wurden.
Besondere Familienfeste wie Silber- oder Goldhochzeit wurden schon vor 100 Jahren mit großer Anteilnahme der Bevölkerung gefeiert. Die Initiative für diese "Volksfeste" ging damals in erster Linie vom Männergesangverein Concordia aus. Zwei Beispiele aus den Aufzeichnungen von Herrn Dittmayer:
Am 24. August 1891 beging das inaktive Mitglied des Vereins Herr Jos. Joh. Westhoven das Fest der silbernen Hochzeit. Aus diesem Anlaß besuchte der Verein das Jubelpaar am Vorabend des Festes. Herr Westhoven dankte dem Verein und lud zu einem Fäßchen Wein.
Am 13. Januar 1894 heißt es:
Am heutigen Abend fand ein schöner Fackelzug, an welchem sich alle Ortsvereine beteiligten, zu Ehren der Eheleute Anton Mechnig statt, welche das Fest der goldenen Hochzeit begingen. Dem Gesangverein gebührt das Lob, daß er die anderen Vereine aufmunterte.
Zwei Vereinsfeste aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg werden in der Vereinschronik besonders hervorgehoben:

Am 22. Mai 1892 wurde die Vereinsfahne feierlich eingeweiht. Der absolute Höhepunkt war das 50-jährige Vereinsjubiläum am 19. Juni 1898 mit vielen Vereinen und Ehrengästen. Ganz Rheinbreitbach muß damals auf den Beinen gewesen sein. Das Fest begann morgens mit einem feierlichen Hochamt. Daran schloß sich ein Festzug an. Im Mittelpunkt des Programms stand am Nachmittag ein großes Festkonzert im Rheinbreitbacher Hof. Das Tag klang aus mit einem Festball im Vereinslokal, Gasthof zur Post. Aus der Festansprache des damaligen Bürgermeisters Biesenbach berichtet die Chronik:

Er ergriff das Wort und erinnerte an die Gründung des Vereins und wie derselbe sich immer mehr gehoben und zu einer geachteten Stellung aufgeschwungen durch die Pflege der Religiosität, der Sittlichkeit und der Vaterlandsliebe.
Zum Abschluß brachte er ein Hoch auf seine Majestät - es war die Zeit Wilhelms II. - aus.
Pfarrer Göbbels gedachte namentlich des Dirigenten Hauptlehrer Dittmayer, dem es zu danken sei, daß der Verein so blühe.
Bürgermeister Biesenbach und Pfarrer Göbbels wurden anläßlich des Vereinsjubiläums zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Die Mitgliederzahl des MGV entwickelte sich bis zum Beginn des 1. Weltkriegs stetig aufwärts. 1914 zählte der Verein 81 Mitglieder, davon 36 aktive Sänger. Rheinbreitbach hatte zu dieser Zeit rund 1300 Einwohner.

1914 endet der erste Teil der Chronik. Im 1. Weltkrieg, die meisten Sänger wurden zum Kriegsdienst eingezogen, ruhte das Vereinsleben für rund fünf Jahre.

Gründung des Vereins    Zwischen den beiden Weltkriegen    Zeit nach dem 2. Weltkrieg    MGV Concordia


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