| Aus der Chronik des MGV Concordia Rheinbreitbach |
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| (bearbeitet von Bernd Hamacher anläßlich des 150jährigen Vereinsjubiläums im Jahre 1998) |
| Zwischen den beiden
Weltkriegen Am 10. August 1919 fand im Gasthaus "Zur Post" die erste Generalversammlung nach dem 1. Weltkrieg statt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verein seine Vorkriegsstärke mit insgesamt 84 Mitgliedern, davon 42 aktive Sänger, bereits übertroffen. Kurz darauf traf den Verein ein schwerer Schlag: Der langjährige Dirigent Dittmayer starb am 17. September 1919. Lehrer D'hein übernahm das Dirigentenamt zunächst stellvertretend. Im Juni 1921 wählten die aktiven Mitglieder Josef Menden zu ihrem Dirigenten. Die Chronik wurde von den jeweiligen Schriftführern fortgeführt. Die Verantwortung für ihren Heimatort bewiesen die Sänger kurz nach Kriegsende, als es um die Anschaffung einer neuen Kirchenglocke ging, als Ersatz für die im Krieg eingeschmolzenen Glocken. 1921 berichtet die Chronik: |
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| Am 30. Januar 1921 veranstaltete der MGV Concordia im großen Wayerstraß'schen Saale ein Wohltätigkeitskonzert. Der Erlös galt der Anschaffung einer neuen Glocke. Nach Abzug der Kosten konnte ein Reingewinn von 1036,75 Mark abgeführt werden. | |
| Aktiv beteiligte sich der Verein seit den 20er Jahren bei der Sommerkirmes sowie der Leonharduskirmes im November. 1921 wird berichtet: | |
| Am 24., 25. und 26. Juli wurde die Kirmesmusik im Gasthaus "Zur Post" vom Gesangverein abgehalten. | |
| In den folgenden Jahren war der Männergesangverein
immer ein gern gesehener Gast bei den Kirmesfrühschoppen des St. Joseph Bürgervereins;
mit mehreren Liedvorträgen trug er zur fröhlichen Stimmung bei. Lange Zeit lag die
Leonhardus- Kirmes in der Hand des MGV. Nach dem 2. Weltkrieg übernahm das Tambour-Corps
die alte Tradition, die heute von den Burgbläsern fortgeführt wird. Mitte 1922 zeichnete sich in Deutschland das Gespenst der Inflation ab. Das Geld wurde immer weniger wert. Das spiegelt sich recht deutlich in den damaligen Aufzeichnungen der Vereinschronik wider. Die Teuerung wirkte sich auch auf die Mitgliedsbeiträge aus. Auf der Generalversammlung am 30.4.1922 wurden die jährlichen Beiträge für aktive Mitglieder auf 24 Mark und für inaktive auf 30 Mark festgelegt. Ein halbes Jahr später mußten alle Mitglieder bereits 120 Mark bezahlen. Die eingehenden Beiträge reichten aber bei weitem nicht zur Deckung der Kosten. Man suchte nach weiteren Einnahmequellen. Heute wird manch einer über den damaligen Beschluß der Generalversammlung schmunzeln: |
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| Dann wurde ein wichtiger Punkt betreffs Einlaß von Festlichkeiten im Rahmen von Familienabenden der auswärtigen und einheimischen Nicht-Mitglieder festgemacht: Auswärtige haben nur Zutritt bei freiwilligen Beiträgen. Einheimische bis 18 Jahre, soweit es Familienangehörige sind, haben freien Eintritt. Einheimische über 18 Jahre werden nicht zugelassen, weil dieselben dem Verein als Mitglieder beitreten können. | |
| 1923 feierte der Verein sein 75jähriges Jubiläum. Einnahmen und der verbliebene Reinerlös nahmen bei diesem Fest gigantische Größen an: | |
| Die Einnahmen ergaben 72 Million 540 Tausend Mark. Als Reinerlös blieb noch 18 Million 450 Tausend Mark. | |
![]() Die Rechnungsablage für das gesamte Jahr 1923 weist geradezu astronomische Zahlen auf. Nach der Inflation normalisierten sich die Verhältnisse, wie die Rechnungsablage auf der Generalversammlung von 1925 zeigt. Die Höhe der Einnahmen und Ausgaben erreichten wieder das Vorkriegsniveau. Das heutige Problem vieler Männergesangvereine - fehlender Nachwuchs - scheint beim MGV Concordia schon in den 20er Jahren Sorgen bereitet zu haben. Anders ist der Beschluß der Generalversammlung von 1924 nicht zu verstehen: |
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| Mitglieder bis zu 35 Jahren müssen bei brauchbarer Stimme als aktive Mitglieder beitreten, andernfalls, wenn nicht brauchbare Stimme vorhanden ist, kann er inaktives Mitglied werden. Nach 35 Jahren nach eigenem Wunsch. | |
| Der Beschluß scheint zumindest kurzfristig den
gewünschten Erfolg gebracht zu haben: Zehn neue aktive Sänger sind 1924 aufgeführt,
wobei einigen bisher inaktiven Mitgliedern eine brauchbare Stimme nachgewiesen wurde. Die
Gesamtmitgliederzahl stieg auf 95. Möglicherweise erfolgte dieser Beschluß deswegen, um die Sänger enger an den Verein zu binden. Es "drohte" nämlich die Gründung eines weiteren Chores. Pfarrer Ermert, damals neu in Rheinbreitbach, hatte die Idee, einen Kirchenchor zu gründen, vielleicht, um unabhängig vom Männergesangverein bei der gesanglichen Gestaltung der festlichen Messen in der Kirche zu sein. So entstand 1925 der Kirchenchor Cäcilia, dem auch Frauenstimmen angehörten. Für eine mögliche Konkurrenz der beiden Gesangvereine finden sich in der Chronik des MGV keine Anhaltspunkte. Im Gegenteil, es wird von Anfang an über ein gutes Verhältnis berichtet. In einem Beitrag zum Cäcilienfest des MGV im Jahre 1925 heißt es: |
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| Der Kirchenchor Cäcilia, welcher unserer Einladung gefolgt war, nahm mit Zufriedenheit an unserem Feste teil. | |
| Später, besonders in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, haben Kirchenchor und MGV vieles gemeinsam gemacht. Sehr beliebt bei beiden Vereinen sind heute die alljährlichen gemeinsamen karnevalistischen Veranstaltungen, deren Ursprünge in die 20er Jahre zurückreichen, damals als gemütliche Familienabende des MGV anläßlich der sogenannten Weiberfastnacht. Mit dem Termin für "Weiberfastnacht" nahm man es nicht so genau. Den legte die Generalversammlung fest. Meist war es ein Sonntag in der vorkarnevalistischen Zeit. So auch 1926. Das Fest beschreibt die Chronik: | |
| Am 7ten Februar fand im Gasthof "Zur Post" ein gemütlicher Unterhaltungsabend statt (Weiberfastnacht). Gesang und humoristische Vorträge mit Damenverlosung wechselten mit Tanz ab. Bei festlich geschmücktem Saale und durch das Tragen von Karnevalsmützen nahm das Fest einen recht würdigen Verlauf. | |
| Erstmalig erwähnt die Chronik 1929 die Beteiligung des MGV am Rheinbreitbacher Karnevalszug: | |
| Es wurde beschlossen, sich an dem diesjährigen Karneval mit dem Bau von einem Wagen für den Karnevalszug zu beteiligen. Die Karnevals-Gesellschaft gibt hierfür einen Zuschuß von 25 Mark und die Sachen zum Auswerfen. | |
| Diese Tradition haben die Sänger bis heute
beibehalten. Eine weitere Traditionsveranstaltung, das jährliche Maiansingen, findet sich in den Aufzeichnungen erstmals im Jahre 1928: |
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| Am 1. Mai wurde auf dem Koppel der Mai angesungen. Es wurde eine Anzahl Volkslieder vorgetragen. | |
| 1928 feierte der MGV Concordia in großem Rahmen sein 80jähriges Stiftungsfest. 32 Vereine waren der Einladung nach Rheinbreitbach gefolgt. Schirmherr bzw. "Protektor" der Veranstaltung war der rheinische Dichter Rudolf Herzog, der von 1907 bis zu seinem Tod 1943 in Rheinbreitbach in der Oberen Burg wohnte und viele seiner Romane schrieb. Als Ehrenmitglied war er ein großer Verehrer des Gesangvereins. Im Mittelpunkt des Jubiläums stand die Festansprache Herzog's, die das "Amtliche Kreisblatt für den Kreis Neuwied" in der Ausgabe vom 14. August 1928 in wesentlichen Passagen wiedergab: | |
| Unter brausendem Jubel bestieg der Protektor Rudolf Herzog
die Tribüne und hielt in markigen Worten die Festrede, aus der folgendes festzuhalten
sei:
80 Jahre! Rechnen wir sie zurück in das Jahr 1848, so erhebt sich vor unseren Blicken das Jahr, in dem die Sehnsucht der deutschen Stämme zu einem einigen deutschen Volk und Vaterland ihre Erfüllung erhoffte. - Schon ist dieses einst heiß umstrittene Volksjahr geschichtlich geworden, und die Führer und Herolde jener großen Einigungsbewegung sollen uns in unserer heutigen Zeit wie Idealfiguren erscheinen. Denn das war ihr Merkmal, daß sie und die großen Volksteile, die sie mit sich rissen, unbeschadet ihrer politischen Einstellung, vom reinsten Idealismus, von der selbstlosen Hingabe an eine vaterländische Idee erfüllt waren, und getragen wurden. Diese Getragenheit fand ihren Niederschlag in der Bildung volkstümlicher Vereine, die in vorwärtstreibender Erkenntnis die Veredelung des Körpers und der Seele erstrebten. Und so wurde das Jahr 1848 das Geburtsjahr der berühmten Schützengilden, Turnerschaften und Gesangvereine, die heute noch allerorts einen brüderlichen Einklang bilden. Daß in diesem idealen Kreis die Männer unserer Heimat Rheinbreitbach nicht fehlten, daß sie mit den allerersten zur Stelle waren, das müssen wir ihnen heute noch zur höchsten Ehre anrechnen. Concordia wurde der Name des Vereins. Zu deutsch: Eintracht. Wie eine Mahnung klingt das Wort aus dem Grabe der Gründer in die heutige Zeit. Eintracht, Mut, Tapferkeit, Vaterlandsliebe im großen und im kleinen Rahmen zieren den Deutschen. - Eintracht! Mögest du an deinem Teil, jubilierender Verein, auch darin die Fahne entfalten, unter der die wahre deutsche Einigkeit und Brüderlichkeit ohne jede Scheelsucht herrscht. Von der Gemeinde weiter hinaus ins große heißgeliebte Vaterland. Durch das deutsche Lied! Durch das Lied ist Euch die Kraft gegeben, in die eigene Seele und in die Seelen Eurer Hörer zu greifen und sie mitzureißen auf die helleren Höhen des Lebens. Hier liegt Eure große und heilige Mission. Hier ist das Pfund , das ein gütiges Geschick in Eure Hände legte und von dem geschrieben steht: Wuchert damit! Wuchert, auf daß es gläubigen und hoffenden Seelen reiche Zinsen trägt durch die Veredelung des Menschengeschlechts. Sorgt, daß die nach Euch kommen, in Freude und Dankbarkeit von Euch zu singen und zu sagen haben. Nicht nur am frohen Rhein, nein Ihr deutschen Männer und Frauen, am frohen freien Rhein! Und so laßt uns die Jubelfeier des Rheinbreitbacher MGV "Concordia" mit dem Gelöbnis weihen: Der freie deutsche Rhein, das freie und einige deutsche Vaterland: Hoch, hoch, hoch." Die Festrede schloß mit dem Deutschlandlied und brausendem Beifall. |
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| Das waren wahrlich markige Worte, die Rudolf Herzog zum
80jährigen Jubiläum des MGV Concordia an die Festgäste richtete. Die Rede spiegelte den damaligen Zeitgeist wider, der sicherlich geprägt war durch die damals noch andauernde Besetzung des Rheinlandes durch die westeuropäischen Siegermächte des 1. Weltkriegs. Die Befreiung des Rheinlandes von der Besatzungsmacht wurde 1930 mit großem Aufwand an Emotionen und Veranstaltungen gefeiert, so auch in Rheinbreitbach. Die Presse berichtet am 20. November 1930 über die Verleihung der "Zelter"-Plakette an den MGV Concordia: |
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| Ein Tag der Ehre und Anerkennung , wie er wohl selten einem
Verein zuteil wird, war dem MGV "Concordia" am Sonntag beschieden. Vom
Ministerium für Volkswohlfahrt, Kunst und Wissenschaft wurde dem Verein für 75-jährige
Pflege des Chorgesangs und deutschen Volksliedes die Plakette in Silber verliehen. Nach Vortrag verschiedener Chöre machte Bürgermeister Decku längere Ausführungen über Bedeutung und Sinn des Männergesangs. U.a. führte er aus, daß gerade das deutsche Volkslied und Chorgesang Mithelfer am Ausbau unseres geliebten deutschen Vaterlandes seien..... Nach einem Hoch auf das deutsche Vaterland und auf den deutschen Rhein schloß der Bürgermeister seine mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Stehend sang sodann die Festversammlung das Deutschlandlied. So war der 16. November für den MGV ein wahrer Festtag von früh bis spät, der allen Teilnehmern erinnerungsreiche Stunden brachte. |
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| 1933 übernahmen Adolf Hitler und die
Nationalsozialisten die Macht in Deutschland. Rheinbreitbach blieb davon nicht verschont.
Auch aus den Aufzeichnungen des MGV werden Erinnerungen an diese Zeit deutlich. Einige Beispiele: |
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| 14. Sept. 1934: Im Gasthof "Zur Post" fand die
Abschiedsfeier der Berliner "Kraft durch Freude" statt. Auf Einladung des
Verkehrsvereins beteiligte sich unser Verein durch Vortrag einiger Lieder an
derselben." 9. Nov. 1934: Gefallenen-Ehrung des Weltkrieges und der N.S.D.A.P.. Es wurden am Denkmal und im Saale Heckner einige Lieder gesungen. 30. April 1935: Auf dem Adolf-Hitler-Platz (heute Kirchplatz) fand das übliche Maiansingen statt. |
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| 1935 wurde das deutsche Vereinswesen nach den Vorstellungen der Nationalsozialisten neu organisiert. In der Chronik liest sich das am 10. Juli 1935 so: | |
| In unserem Verein wurde die Gleichschaltung durchgeführt und die neuen Satzungen angenommen und genehmigt. | |
| U.a. wurde das Amt des bisherigen Präsidenten
abgeschafft. An seine Stelle trat der Vereinsführer, der von der Generalversammlung
gewählt wurde. Die übrigen Vorstandsmitglieder bestimmte der Vereinsführer. 1936 trat der Verein gemäß der Anordnung der N.S.D.A.P. dem deutschen Sängerbund bei. Die Eröffnung der Generalversammlung lief nach dem damals vorgeschriebenen Muster ab: |
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| Der Vereinsführer eröffnete die Versammlung und begrüßte die Mitglieder mit dem deutschen Gruß. Danach forderte er die Mitglieder auf, zur Ehrung der Gefallenen der Bewegung, des Weltkrieges und der Verstorbenen des Vereins eine Minute ihrer zu gedenken. | |
| Am 12. Juni 1938 feierte der MGV sein 90jähriges
Stiftungsfest. Der handschriftliche Bericht wirkt auffallend nüchtern im Vergleich zu der
Euphorie zehn Jahre zuvor. Nach der letzten Eintragung im Jahre 1939 klafft in der Chronik eine Lücke von über 9 Jahren, die in einem einzigen Satz zusammengefaßt ist: |
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| Im 2. Weltkrieg 1939 - 1945 ruhte die Vereinstätigkeit und drüberhinaus noch bis zur Wiederzulassung durch die französische Militärregierung am 1. 10. 1948. | |
Gründung des Vereins Von 1887 bis zum 1. Weltkrieg Zeit nach dem 2. Weltkrieg MGV Concordia