Aus der
Chronik des MGV Concordia Rheinbreitbach
Männergesangverein Concordia 1848 Rheinbreitbach
(bearbeitet von Bernd Hamacher anläßlich des 150jährigen Vereinsjubiläums im Jahre 1998)

 

Zeit nach dem 2. Weltkrieg

Am 22. Mai 1948 erfolgte die Neugründung des MGV, vier Monate vor der offiziellen Wiederzulassung.

Richtig los mit dem Vereinsleben ging's ab 1949 mit dem beliebten Weiberfastnachtsball. Fest ins Programm aufgenommen waren auch wieder das Maiansingen, die Beteiligung am Kirmesfrühschoppen des Bürgervereins und das Cäcilienfest im November.

Im Laufe des Jahres übernahm Theo Schneider zunächst kommissarisch erstmalig die Leitung des Vereins. Eine große Aufgabe stand bevor: die Vorbereitung und Durchführung des 100jährigen Stiftungsfestes, das aufgrund der Besatzungsbestimmungen erst mit einem Jahr Verspätung gefeiert werden konnte. Nach den harten Kriegsjahren und der entbehrungsreichen Nachkriegszeit feierte man in Rheinbreitbach am 3. und 4. September ein richtiges Volksfest. Acht Gastvereine, darunter der MGV Velbert, mit dem Concordia eine langjährige Freundschaft verband, trugen zum Gelingen bei. Die Chronik berichtet über das Jubiläum:

Das Jubiläum begann am Samstag mit einem Platzkonzert mit anschließendem Festzug durch den festlich geschmückten Ort. Den Höhepunkt des Festes bildete das große Gemeinschaftssingen am Sonntag im Saale des Rheinbreitbacher Hofs. 4 Gold- und 25 Silberjubilaren wurden durch Pastor Ermert an ihrem Ehrentage gratuliert. Herr Bürgermeister Decku hielt die Festrede. Um 20°° Uhr ging das Fest in Tanz und Unterhaltung in allen Rheinbreitbacher Gaststätten über. Dank der großen Unterstützung der Rheinbreitbacher Bevölkerung wurde das Fest des 100jährigen Bestehens ein großes Erlebnis für alle, die dabei sein konnten.
In den ersten Nachkriegsjahren kehrten viele der ehemaligen Sänger aus der Kriegsgefangenschaft heim. Einige mußten im Krieg ihr Leben lassen. Die Heimkehrer wurden vom Verein freudig begrüßt. Zwei von ihnen erwähnt die Chronik namentlich:
Unser langjähriges aktives Mitglied Heini Lindener kehrte am 7.12.49 aus russ. Kriegsgefangenschaft zurück. Der Verein begrüßte den Heimkehrer mit einem Ständchen. Dem Heimkehrer H. Steffens wurde am 8.12.49 ein Ständchen vorgetragen.
"Alte" Sänger und hinzukommender Nachwuchs bildeten schon bald wieder eine "schlagkräftige" Sängerschar. 1950 konnte der MGV die stattliche Zahl von 114 Mitgliedern präsentieren, davon über 50 aktive Sänger. Bei Sängerwettstreiten bewiesen die Rheinbreitbacher Sänger ihre Klasse. Zahlreiche Ehrenpreise dokumentieren dies.

1951 lud der MGV Concordia am 9. und 10. Juni zu einem großen rheinischen Sängertreffen ein. Die Presse und die Chronik berichten lobend über den prächtigen Verlauf.

Der Männerchor der Rheinbreitbacher Concordia zeigte, daß man auch in kleineren Orten zielbewußte Kulturarbeit leisten kann.
Höhepunkte waren der Festkommers am Samstagabend und das Freundschaftssingen am Sonntagnachmittag mit der Teilnahme von 9 Gastvereinen. In den folgenden Jahren gehörte das Gemeinschaftssingen zum festen Programm des Stiftungsfestes.

Neben den wöchentlichen Chorproben trafen sich die Sänger zu den verschiedensten Anlässen. Über 20 öffentliche Auftritte pro Jahr vermerkt die Chronik in den 50er und 60er Jahren. Dazu zählten u.a. regelmäßige Liedvorträge bei Ortsfesten. Die dankbarsten und aufmerksamsten Zuhörer fanden die Sänger bei ihren Auftritten im Blindenheim, Burg Steineck, das der MGV meist mehrmals im Jahr bis zur Schließung im Jahre 1974 besuchte. Bei Hochzeits- und Geburtstagsjubiläen war und ist auch heute ein Ständchen der Concordia immer willkommen. Nicht vergessen darf man die Teilnahme am jährlichen Allerheiligen-Totengedenken bei der Segnung der Gräber auf dem Waldfriedhof, der Gefallenenehrung zum Volkstrauertag am Kriegerdenkmal. sowie die Gestaltung der Messe für die Lebenden und Verstorbenen des Vereins am Totensonntag.

MGV Concordia in den 60er Jahren

Jeder Verein macht Krisen durch. Eine Chronik wäre unvollständig, wenn sie stillschweigend darüber hinweg geht. Die Qualität eines Vereins kann daran gemessen werden, wie er mit kritischen Situationen fertig wird. 1961 berichtet der Chronist:
Vom 6.5.1961 bis zum 10.6.1961 zogen graue bis schwarze Wolken über die Vereinsgeschichte des Männergesangvereins Concordia Rheinbreitbach. Schlechter Besuch der Gesangproben, Austritte der Sangesbrüder aus dem Verein, es sah so aus, als würde das Zepter der Concordia zusammenbrechen. Nun erklärte sich der frühere Vorsitzende, Herr Theo Schneider, bereit, die Geschicke des Vereins weiterzuführen. Er berief eine Vorstandsversammlung der zur Zeit anwesenden Vorstandsmitglieder und eine Versammlung der älteren und jüngeren Sangesbrüder. Als nun alle Konflikte zwischen einzelnen Sangesbrüdern gelöst waren, berief Herr Schneider eine außergewöhnliche Generalversammlung mit Neuwahl des Vorstandes.
Die Versammlung wählte Theo Schneider zum zweitenmal zum 1. Vorsitzenden. Er füllte dieses Amt weitere 10 Jahre aus. Damals plagten den Verein auch große finanzielle Sorgen. Am 14.6.1961 liest man in der Chronik:
Auf der ersten Vorstandssitzung wurde das Thema "neuer Chorleiter" angeschnitten; denn aus finanziellen Gründen konnte man nicht mehr auf den alten Chorleiter, Herrn Reinard Engels aus Troisdorf, zurückgreifen. Man kam zum aktuellen Vorschlag auf Herrn Lehrer Amann und man fragte ihn, ob er das Amt des Chorleiters beim Männergesangverein übernehmen würde.
Eine Woche später sagte Josef Amann zu. Die Krise war überwunden.

Unter Theo Schneider und Josef Amann - letzterer war gleichzeitig Leiter des Kirchenchors Cäcilia - erlebte der MGV Concordia eine neue Blütezeit. Zwischen den beiden Rheinbreitbacher Gesangvereinen entwickelte sich ein ausgesprochen freundschaftliches Verhältnis. Gemeinsame Jahresausflüge und Familienfeiern sowie die gemeinschaftliche Gestaltung der Gottesdienste zu Weihnachten, Ostern und anläßlich des Patronatsfestes St. Maria Magdalena (Sommerkirmes) gehen auf Initiative des Dirigenten zurück.

Nach 10 erfolgreichen Jahren mußte Josef Amann das Dirigentenamt wegen beruflicher Überlastung aufgeben. Jedoch bereits zwei Jahre später stellte er sich wieder zur Verfügung, als nach dem Tod des damaligen Dirigenten Sigurd Klenter im Februar 1973 der Verein ohne Chorleiter war. Die Chronik schildert die damalige Situation:

Doch es mußte weitergehen! Am 4. Februar feierte unser Mitbürger Franz Albert Düren Primiz in unserer Pfarrkirche. Da wir ohne Dirigenten dastanden, war unser Auftritt in Frage gestellt. Nach einer kurzen Anfrage bei Herrn Josef Amann waren jedoch sofort alle Unklarheiten beseitigt. Man kann sich eben auf gute Freunde verlassen.
Ein Männergesangverein steht und fällt mit dem Dirigenten. Es ging wieder aufwärts. Mehrere neue Sänger traten dem Verein bei. Die positive Entwicklung faßt der Bericht über die Jahreshauptversammlung von 1975 zusammen:
Nachdem im letzten Jahr wieder eine Festigkeit und Aufwärtstendenz im Verein zu verzeichnen war, welche nicht zuletzt durch den von den Sängern sehr geschätzten Dirigenten Josef Amann erreicht wurde, gehen die Sänger mit neuem Elan an die in diesem Jahr anstehenden Aufgaben.
Josef Amann leitete den Chor weitere 10 Jahre bis 1985, insgesamt also 22 Jahre.

Das Jahr 1976 stand auch für den MGV Concordia ganz im Zeichen der 1000-Jahrfeier Rheinbreitbachs. Gleich zweimal wurde gefeiert. Der Schriftführer berichtet über die erste Feier, dem Vorläufer des heutigen Parkfestes im Park der Oberen Burg:

Jeder Verein hat durch monatelange Vorarbeit diese Feier zur Wirklichkeit werden lassen. So auch unser Verein, der, ohne Überheblichkeit, mit am tatkräftigsten Hand angelegt hatte. Auf dem Gelände der Oberen Burg wurde eine bunte Budenstadt errichtet. Von den Vereinen erbaute kleine Fachwerkhäuser dienten als Ausschank- und Verzehrbuden. Es gab fast alles zu essen und zu trinken. Viele berühmte Kapellen und Orchester trugen zur Unterhaltung bei. Bei herrlichem Wetter feierten in diesen Tagen viele tausend Besucher aus nah und fern mit uns den 1000. Geburtstag unseres Ortes.

Durch die mit einem finanziellen Überschuß gelungene Feier konnte unser Verein 1.200 DM für sich verbuchen. Dieses Geld wurde in ein längst fällig gewordenes gut erhaltenes Klavier angelegt.

Bis heute beteiligt sich der MGV regelmäßig mit einem Weinstand am Parkfest.

Auch wenn heute das zunehmend professionelle Freizeit- und Unterhaltungsangebot sowie das Fernsehen die Existenz manch kleiner Vereine bedroht, der von Idealisten gepflegte Chorgesang hat seinen Platz im kulturellen Leben unserer Gesellschaft während der vergangenen zwanzig Jahre behauptet.

Hierfür stand und steht der Männergesangverein Concordia Rheinbreitbach, mit seinen Vorsitzenden Josef Schneider, Heinz-Jörg Epping und Hans-Peter Bock sowie den Dirigenten Heribert Zimmermann, Karl Wester und Richard Strack, der den Chor seit 1993 leitet. Gemeinschaftssingen mit befreundeten Vereinen und Chorkonzerte, die der Verein nicht nur bei Jubiläumsfeiern veranstaltet, finden immer ihr Publikum. Ein Ständchen zum Geburtstag oder Hochzeitsjubiläum kann auch heute das Fernsehen nicht ersetzen. Trotz beruflicher Anspannung bringen es die Sänger auf rund zwanzig öffentliche Auftritte im Jahr. Ihre Motivation: anderen Freude bereiten.

Anläßlich des 140jährigen Stiftungsfestes im Jahre 1988 fand der damalige 2. Vorsitzende Joachim Heck die treffenden Worte:

Wenn nun am 140. Geburtstage des MGV Concordia unsere kleine Sängerschar Rückschau hält, so wird sie voll Stolz sagen können: Wir haben oft unter ungünstigen Verhältnissen zur Sache gestanden, und wenn es darauf ankam, hat sich die Mühe gelohnt - es hat geklappt. Wir haben durch unser Lied anderen viel Freude bereitet, und diese Freude war im übertragenen Sinne unsere Freude. Sie gab uns Ansporn zu neuem Wirken.
Elan und Idealismus sind auch im 150. Jahr seines Bestehens die Säulen, die den MGV Concordia in eine hoffnungsvolle Zukunft tragen.

Der Männergesangverein heute

Vivat, crescat, floreat Concordia in aeternum!

Gründung des Vereins    Von 1887 bis zum 1. Weltkrieg    Zwischen den beiden Weltkriegen    MGV Concordia


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